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29. März 2022

Digitalisierung: Neue Perspektiven für Alters- und Pflegeeinrichtungen.

Während der Pandemie standen Gesundheitseinrichtungen und die Digitalisierung stärker im Fokus der Öffentlichkeit denn je zuvor. Zahlreiche Umfragen und Studien aus den letzten zwei Jahren zeigen auf, dass die Covid-19-Pandemie dem Gesundheitswesen aus dem DACH-Raum zu einem beachtlichen Aufschwung in Sachen Digitalisierung verholfen hat. Und sie verdeutlichen, dass die leistungserbringenden Unternehmen den Stresstest dank dem zeitnahen kulturellen Umdenken in hinsichtlich Digitalisierung bewältigen konnten. Entwicklungen, die vor der Covid-19-Pandemie nur schwer vorstellbar gewesen wären.

Die Digitalisierung scheint also zentral für ein zukunftsfähiges Gesundheitswesen. Werden dabei aber auch alle Leistungserbringer beleuchtet? Ein Blick hinter die Kulissen macht klar: Oft stehen Spitäler und Kliniken im Zentrum von Berichten, Studien und Analysen. Wo aber stehen die Institutionen im Bereich Langzeitpflege in Sachen Digitalisierung?

Wie das gesamte Gesundheitswesen zählen Pflegeeinrichtungen, Altersheime, Seniorenzentren oder -residenzen zu den Wachstumsbranchen. Personalressourcen für die Langzeitpflege werden aber – trotz wachsender Beschäftigungszahlen – im soziodemografischen Wandel immer knapper. Die hohe Teilzeitquote und das zukünftige Ausscheiden vieler älterer Pflegepersonen verschärfen diese Situation. Wir berichteten darüber.

Der Arbeitsalltag von Langzeitpflegekräften ist geprägt von einer Vielzahl körperlicher und psychischer Belastungen. Zeitdruck, hohe Arbeitsintensität oder auch besonders hohe emotionale Anforderungen sind quasi zur Normalität geworden. Diese herausfordernden Arbeitsbedingungen wirken sich zusehends negativ auf die Verfügbarkeit von Langzeitpflegekräften aus. Zudem bereiten den Pflegefachpersonen gemäss Studien auch die zur Arbeitserfüllung notwendigen Abstriche in der Qualität ihrer Tätigkeit grosse Sorgen. Die als sehr hoch empfundene Sinnhaftigkeit des Berufs sowie die Beschäftigungssicherheit scheinen diese Herausforderungen nur zum Teil auszugleichen.

 

Die Pandemie als Turbo der Digitalisierung?

Alters- und Pflegeheime scheinen sich mehr und mehr von den enormen Auslastungsschwankungen während der Pandemie zu erholen. Die Frage ist nun, ob der Antrieb, neue digitale Wege zu gehen, bestehen bleibt.

Unterschiedliche Studien zeigen: Die Digitalisierung in den Alters- und Pflegeeinrichtungen ist aufgrund der Herausforderungen durch die Covid-19-Pandemie besonders im Bereich der Kommunikation beschleunigt worden. Auch in den Pflegeeinrichtungen hat der Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien, z. B. in Form von Videotelefonie mit Angehörigen, zugenommen. Die bisherigen Bedenken hinsichtlich Datenschutz wurden während der Pandemie hinter das Bedürfnis nach sozialen Kontakten gestellt, und die Videokommunikation wurde erstaunlich schnell implementiert. Auch der Informationsfluss konnte mancherorts mittels externer Netzwerke oder E-Mail-Newsletter verstärkt werden. Angehörige wurden auf diese Weise auf dem Laufenden gehalten.

Natürlich haben auch im Bereich der Langzeitpflege interne und externe virtuelle Meetings bzw. Videokonferenzen zugenommen. Denn Covid-19 erforderte die Intensivierung der Kommunikation. Sowohl innerhalb wie auch ausserhalb der Arbeitsteams. Immer häufiger finden daher ärztliche Konsultationen heute via Tablet statt. Und die interne Kommunikation wurde dank mobiler Anwendungsmöglichkeiten von Planungs- und Dokumentationssystemen verändert und gestärkt.

Studien verdeutlichen, dass die Pandemie die Technologieakzeptanz und Nutzungsmotivation im Langzeitpflegebereich erhöht hat. Sogar der Einsatz von Robotern in der Pflege hat an einigen Orten Einzug gehalten, was vor einigen Jahren nur in Japan anzutreffen war. Vorab die körperliche Entlastung und Schonung von Pflegenden hat die Akzeptanz dieser teilautonomen Hilfsmittel in dieser intensiven Zeit gefördert.

Pflegefachpersonen ihrerseits haben ihre digitalen Skills vertieft, da der Zugang zu Pflegeeinrichtungen für Externe bekannterweise untersagt war. Dieser geringe Handlungsspielraum führte so teilweise zu höherer Akzeptanz.

Die Pandemie sorgte demnach für viel positive Bewegung in der Digitalisierung. Digitale Weiterentwicklungsprojekte kamen aber – aufgrund einer Vielzahl von Restriktionen und eines Berges an zusätzlichen Aufgaben – fast gänzlich zum Erliegen. Teilweise, so die Studien, ist gar eine unkoordinierte Digitalisierung durch Mitarbeitende mit dem Einsatz privater Mittel entstanden.
Es gilt nun, diese im nächsten Schritt zu formalisieren und Prozesse zu professionalisieren.
Und sie gleichzeitig mit dem Anstoss für Überlegungen zum künftigen Nutzen innovativer Pflegetechnologien und neuen Ideen zu verbinden.

 

Neu erkannte Potenziale nutzen

Die jüngste Vergangenheit offenbarte deutlich vorhandene Digitalisierungspotenziale im Langzeitbereich. Wie aber können diese genutzt und weiter entfaltet werden?


Tatsächlich entstehen gewünschte Effekte aus dem Einsatz digitaler Technologien in den wenigsten Fällen nur aus der Technik selbst. Vielmehr entsteht ein funktionierendes System erst durch das gelungene Zusammenspiel aus Technologie, angepassten Arbeitsprozessen und -strukturen sowie dem nötigen Wissen.

Um Potenziale entfalten zu können und die Vorteile der Digitalisierung in Pflegeeinrichtungen zielorientiert und effektiv zu nutzen, sind gemäss den Studien die folgenden zehn Punkte von grosser Bedeutung:

  1. Bestehende Organisationsstrukturen und Arbeitsprozesse beleuchten und flexibler gestalten. Um damit gezielt die Ressourcen für den Einsatz digitaler Technologien zu schaffen.
  2. Förderung der Skills zur Innovations- und Technologiebereitschaft. Um eine sich wandelnde Pflegearbeit eigenverantwortlich mitzugestalten.
  3. Flexiblere Qualifizierungskonzepte entwickeln, die eine digitale Souveränität und eine Kultur des «voneinander Lernens» einbezieht.
  4. Entwicklung einer über- und ineinandergreifenden Informations- und Kommunikationsstruktur. Unter Nutzung mobiler Endgeräte für einen digitalen Workflow.
  5. Austausch mit externen Akteuren fördern. Sowie Instrumente der Vernetzung und Kooperation entwickeln und kommunizieren.
  6. Partizipative Einbindung von Health Professionals für eine erfolgreiche Auswahl und Implementierung innovativer Technologien. Und um Potenziale der Entlastung zu erkennen.
  7. Gewonnene Zeitkapazitäten gezielt nutzen. Um die sinngebende Interaktionsarbeit zu fördern oder Mitarbeitenden interaktionsfreie Zeiten zu verschaffen.
  8. Akzeptanz und Arbeitszufriedenheit fördern. Mit stabilen Verbindungen und hoher Datensicherheit.
  9. Einbindung neuer Technologien in Planungssystemen eröffnet neue Ansätze für Prozessoptimierungen, um Mitarbeitende zu entlasten und die Mitarbeitermotivation zu verbessern.
  10. Interoperabilität aller eingesetzten Technologien und Systeme ist eine Grundvoraussetzung.

 

Der Arbeitsplatz 4.0 in Pflegeeinrichtungen steht vor grossen Veränderungen. Mittlerweile ist die Technik so weit, um Health Professionals maschinelle Unterstützung zur Seite zu stellen. Auswirkungen der Pandemie wie etwa auf Ausstattung, Arbeitsprozesse und Kommunikationsstrukturen in Alters- und Pflegeeinrichtungen werden immer sichtbarer. Die Technologie bildet dabei – wie in vielen anderen Branchen – eine Verbindung mit der Arbeitsorganisation und der Qualifikation. Nur wenn alle drei Dimensionen entwickelt werden, stellen sich den Beobachtungen aus Studien zufolge die gewünschten Effekte ein.

Die Bedürfnisse von Mitarbeitenden haben sich mit der Pandemie enorm weiterentwickelt. Wertschätzung, Agilität und Flexibilität werden zu treibenden Faktoren in der digitalen Weiterentwicklung jedes Unternehmens, auch im Langzeitpflegebereich. Gerade deshalb setzt POLYPOINT alles daran, mit gezielten Lösungen Ihre Herausforderungen zu beantworten.


(Quellen: Mit emotionaler Mitarbeiterbindung zum Erfolg, Pflegezeitschrift 74 | Potenziale einer Pflege 4.0, Bertelsmann Stiftung | Bedarfe der Langzeitpflege in der Covid-19-Pandemie, Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie | Pandemie: Systeme mit ambulanten Versorgungsstrukturen offenbar im Vorteil, Aerzteblatt.de | Die Zukunft der Langzeitpflege in der Schweiz, Universität St. Gallen | Pflege- und Rehamarkt während der Coronakrise, IMMAC Kurzstudie)

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